Förderverein Kaiserpfalz Kaiserwerth e.V.

Pflanzen der Kaiserpfalz

Viele Besucher von Kaiserswerth kommen wegen der Kaiserpfalz, der Suitbertus-Basilika, des historischen Stadbildes oder wegen der wunderschönen Lage von Kaiserswerth am Rheinufer.

 

Es gibt aber auch versteckte Schönheiten zu entdecken.

 

Am Mauerwerk der Ruine der Kaiserpfalz fällt der vielfältige Pflanzenbewuchs auf. Manchem Besucher wird er nicht gefallen, manche fragen sich, ob die Pflanzen die Zerstörungen an der Ruine über Jahrhunderte nicht weiter beschleunigen.

 

Eine der ersten botanischen Berichte des Rheinlandes aus dem 18. Jahrhundert beschreibt ein häufiges Vorkommen des Glaskrautes Parietaria judaica in „Keyserswerth“ – und dieses Vorkommen besteht bis heute. Wir können den Bewuchs als grüne Polster an fast allen vertikalen Flächen der Ruine bewundern.  Er verleiht dem Gemäuer ein lebendiges, strukturiertes aber zugleich morbides Aussehen. Dabei schadet er dem Gemäuer nicht – seit Jahrhunderten.  Das Foto zeigt die Polster des Mauer-Glaskrautes und die Rundblättrige Glockenblume.

 

Die Pflanzen an den Mauern der Kaiserpfalz können höhere Temperaturen und periodische Trockenheit ertragen. Einige wachsen typischerweise auf Kalkböden – ein Zeichen, dass die Basaltblöcke und Ziegelsteine früher mit Kalkmörtel verfugt wurden. Etliche Arten sind selten oder in ihrem Bestand gefährdet. Die Pflanzen am Gemäuer sollten deshalb selbstverständlich nicht abgerissen werden. Auf den Folgeseiten werden einige ins Auge fallende Pflanzenarten der Kaiserpfalz-Ruine vorgestellt:

 

– Mauer-Glaskraut und Weiße Fetthenne

– Rundblättrige Glockenblume und Großer Ehrenpreis

– Mauerraute und Gelbe Resede

Auffälligster Besiedler der Kaiserpfalz-Ruine ist das Mauer-Glaskraut Parietaria judaica. Es findet sich auf fast allen vertikalen Flächen. Als ausdauernde immergrüne Pflanze zieren ihre Polster ganzjährig das Mauerwerk. Auch ein Bewuchs über Jahrhunderte hat keinen Schaden an der Ruine angerichtet, sondern bereichert das heutige Aussehen der Kaiserpfalz.

Das Glaskraut stammt aus dem Mittelmeerraum und hat sich über die Flusstäler nach Mitteleuropa ausgebreitet. Über den Namen gibt es verschiedene Deutungen. So wurde die Pflanze oder ihre Asche ähnlich wie Schachtelhalm zum Reinigen von Gläsern benutzt.

Das Glaskraut gehört zur Familie der Brennnesselgewächse. Die Blüten sind daher klein und unscheinbar.

Die Weiße Fetthenne (Weißer Mauerpfeffer) Sedum album ist aus Steingärten und Dachbegrünungen bekannt. Ihre dickfleischigen Blättchen können an den trockenen Mauerstandorten Wasser speichern. Im Winterhalbjahr sind nur die dann oft bräunlichen Blätter zu sehen. Ab Mai erscheinen die kleinen, leuchtend weißen Blüten.

Wie andere Pflanzen, die Sprosse oder Blätter als Speicherorgane verwenden, wurden die Blätter der Fetthenne in früheren Jahrhunderten verzehrt, um im zeitigen Frühjahr an Vitamine zu gelangen.

Die Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia wächst verstreut in Nestern an den Mauern. Die leicht nickenden Blüten und die lanzettförmigen Blätter zeigen eine fragile Schönheit. Erst bei näherer Betrachtung sind die runden Grundblätter zu sehen. Die Rundblättrige Glockenblume enthält blutstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe.

Diese Glockenblumen-Art zeigt wie fast alle Pflanzenarten der Mauern Eigenschaften, um die harten Lebensbedingungen an vertikalen Steinflächen zu meistern: Lichtliebend und tolerant gegenüber Temperaturschwankungen, geringe Ansprüche an die Feuchtigkeit, Bevorzugung kalkreicher Standorte wie z.B. in Mauerritzen. Die Art ist mehrjährig, so müssen nicht jedes Jahr Samen neu in den Mauerritzen keimen. Nach einer Entfernung des Bewuchses kann es aber Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich neue Besiedler einstellen. Deshalb sind diese Pflanzengesellschaften besonders schutzwürdig.

Der Große Ehrenpreis Veronica teucrium fällt mit seinen leuchtend blauen Blütenständen im Frühsommer an der Ruine auf. Die Art findet man auch als Zierpflanze in Gärten. Der deutsche Name Ehrenpreis leitet sich von der Verwendung in der Naturheilkunde ab: „Ihm sei Ehr und Preis als das einzig wahre Heilmittel“. Ursprünglich bezog sich dieser Name auf eine nah verwandte Art, den Echten Ehrenpreis Veronica officinalis, eine Pflanze der Apotheken.

Der Große Ehrenpreis ist in Süddeutschland häufig. Bei uns kommt er nur zerstreut vor, im Rheinland ist er eher selten.

In den Mauerritzen der Kaiserpfalz wächst auch eine Farnpflanze, die Mauerraute Asplenium ruta-muraria. Sie ist im Gegensatz zu ihren Farn-Verwandten im Wald klein und unscheinbar. Die Mauerraute besitzt ein Rhizom für die Wasserspeicherung. So ist sie an die Trockenheit der Mauerstandorte angepasst.

In Gebieten ohne natürliche Felsen kommt die Mauerraute nur an Mauern vor, bisweilen auch in Städten und Dörfern. Mauersanierungen und Neuverfugungen gefährden dann den Bestand.

Die traubigen Blütenstände der Gelben Resede (Gelber Wau) Reseda lutea fallen im Frühsommer auf den Mauerkronen ins Auge. Die Pflanze ist eine weitgehend in Vergessenheit geratene Zier- und Heilpflanze. Schon zu römischen Zeiten wurde ihre beruhigende und schmerzstillende Wirkung hervorgehoben. Der Name Gelber Wau deutet an, dass die Resede zu einem hochwertigen gelben Pflanzenfarbstoff verarbeitet wurde.